Der Verein

"Oh Heimatland!"- wer kennt nicht diesen Ausruf, wenn etwas schiefgegangen ist. Und in der Tat, wir könnten oftmals "oh Heimatland!" rufen, wenn wir sehen, was in unserer engeren Heimat in den letzten Jahrzehnten schief gelaufen oder einfach verloren gegangen ist. Was nützt das Jammern? Die Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im Württembergischen Allgäu hat sich vorgenommen, mit Hilfe heimatliebender Menschen, die das Sehen noch nicht verlernt haben, ganz bescheidene Sicherungsarbeit zu leisten, Verluste bewusst zu machen und heimatliches Kulturgut zu bewahren, wo das noch möglich ist. Dies haben wir in den vergangenen 20 Jahren mit Eifer versucht. Vieles ist gelungen und einiges haben wir nicht erreicht. Es wird immer wieder notwendig sein, in den eigenen Reihen gegen aufkommenden Frust anzukämpfen und sich auch über Teilerfolge zu freuen.
Unser Verein, der unter bayerischer Patenschaft und mit kräftiger Unterstützung durch Landrat Dr. Blaser entstanden ist, dürfte in Baden-Württemberg bisher leider einzigartig sein. Alle Städte und Gemeinden des Württembergischen Allgäus und bislang 13 Heimatpflegevereine des Westallgäus sind die stabile Stütze unserer Arbeitsgemeinschaft. Nahezu flächendeckend wurde in den Gemeinden und Ortschaften ein Netz ehrenamtlicher Heimatpfleger installiert. Wichtig ist dabei die offizielle Bestellung der Heimatpfleger durch die örtlichen kommunalen Gremien. Jährlich wird mit wechselnder Themenstellung eine so genannte Ortsheimatpfleger-Schulung durchgeführt, um für unterschiedlichste Probleme zu sensibilisieren und auf sinnvolle Betätigungsfelder aufmerksam zu machen - ein mühsames Geschäft.
Aus der Fülle der Vereinsaktivitäten der vergangenen 20 Jahre ist - mit etwas Stolz - die Erstellung eines Gebäudeatlasses für das Württembergische Allgäu zu vermelden, eine immer wertvoller werdende Momentaufnahme der lokalen Baukultur. Seit einigen Jahren arbeiten wir nun an einem umfassenden Kulturlandschaftskataster. Auch dessen unschätzbarer Wert wird erst in einigem zeitlichen Abstand erkennbar werden. Es wird weiterhin unsere Aufgabe bleiben, mit liebendem und zugleich kritischem Blick die Entwicklungen im Württembergischen Allgäu zu begleiten. Offene und beherzte Diskussion, die Schaffung von  Problembewusstsein und - notfalls - auch von schlechtem Gewissen der Protagonisten bleibt Aufgabe unserer Arbeitsgemeinschaft.

Dr. Jörg Leist