Fachbereich Mundart und Theater

Die Alltagssprache mit ihren manchmal von Dorf zu Dorf und Hof zu Hof unterschiedlichen Dialekt­prägungen war über viele Generationen im württembergischen Allgäu ein wichtiges Element der Heimatverbundenheit. Heimat ist immer dort, wo man verstanden wird. Es wäre falsch, von einem einheitlichen Dialekt im württembergischen Allgäu auszugehen. Das Allgäu zerfällt entlang einer ­scharfen Mundartgrenze in ein Diesseits und ein Jenseits der so genannten „Wib-Weib-Linie“. (Diese so genannte „Wiib-Weib-Linie“ schlägt das West­allgäu (einschließlich dem Umland von Wangen und Isny) und das Oberallgäu südlich von Immenstadt dem Alemannischen zu, die übrigen Gebiete des Allgäus dem Schwäbischen.)
Man darf heute bedauern, dass die Mundart-­Prä­gung der Alltagssprache mehr und mehr abge­schliffen wird. Die Übergänge von der traditionellen Mundart zu einem hochdeutsch durchsetzten Hono­ratiorenschwäbisch über ein mehr oder weniger dialektgefärbtes Hochdeutsch zum reinsten Hannoveraner Schriftdeutsch sind fließend. Lokale Eigenheiten verschwinden. Wörter und Rede­wendungen gehen verloren. Manche noch vor ­wenigen Jahrzehnten überaus lebendigen Mundart-Varianten mit ihren alemannischen und schwäbi­schen Ausprägungen verschleifen sich zu einem amorphen Mischmasch. Wörter und Redewen­­dun­gen vor dem Vergessenwerden zu bewahren – das bleibt eine wichtige Aufgabe der Heimatpflege. Sie ist eine Fleißarbeit, die nur im direkten Kontakt mit älteren Menschen geleistet werden kann. Dokumentation ist hier unverzichtbar. Auch die För­derung von Forschungsprojekten und wissen­schaft­lichen Arbeiten zur Dialektforschung im württembergischen Allgäu könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ebenso die Förderung von Mundart-Autoren und der Mundart-Theater im württembergischen Allgäu, die es in großer Zahl gibt. Das Laientheater bleibt ein wichtiges Medium der Mundart-Pflege. Im ambitionierten Laientheater finden die Heimatgeschichte und die Dialekt­prägungen der Heimat ein Forum – sofern sich die Ausführenden nicht schon auf die komödiantische Konfektionsware verlegt und vom heimischen Idiom verabschiedet haben. Authentische Mundarttheater-Projekte zu unterstützen. Der Mundart in all ihren Ausprägungen und Bedeutungsnuancen im Theater, bei so genannten Hostuben, in Lesungen und bei Vorträgen ein Forum zu geben. Das Bewusstsein der Menschen für den Reichtum und die Differen­ziert­heit der überkommenen Alltagssprache wieder zu wecken: Das bleiben wichtige Ziele und interessante Aufgabengebiete für eine lebendige Heimatpflege.